Willkommen im Kunderbunt der Retrospektive


Allerlei und durcheinander,

so wie es sein soll oder eben erlebt wird.

12 Januar 2008

Verdacht auf Noroviren

Dienstagabend fing es an. Obwohl ich mich mit Latexhandschuhen schütze während der Arbeit, Mittwochmorgen war die ganze Station isoliert, quasi in Quarantäne.
Toll, es waren 2 Pflegeempfänger die es erwischte und ich war eben Dienstagabend noch bei ihnen. Wir bekamen Mundschutz, andere Latexhandschuhe, spezielle Überkleidung und aggressiveres Desinfektionsmittel. Natürlich war ich bei den zwei Herren wieder eingeteilt. Der eine lachte sich fast kaputt, als ich ins Zimmer kam, sind doch die Mundschutze im zartem rosa oder hellblau gehalten.
Irgendwie kommt man sich schon bedeppert vor, aber ich will ja nicht auch noch krank werden. Zudem steht der Verdacht auf Noroviren und dies kann ich im Moment wirklich nicht gebrauchen. Alle Kleider, der ganze Abfall, das Essgeschirr muss auch separat entsorgt oder gereinigt werden mit dem Vermerk: Verdacht auf Noroviren, nur unsere Kleidung nicht, dies kommt mir aber irgendwie spanisch vor.
Beim Mittagessen waren wir natürlich Gesprächsthema Nummer 1. Keiner wollte bei uns sitzen, jeder machte nen grossen Bogen um uns.
Dienstagnachmittag breitete sich die Erkrankung weiter aus, aus 2 wurden 4 und tapfer kämpften sich 2 Schwestern durch die Abteilung. Cathy, Cathy solltest dich nicht so vordrängeln. Um 16.30 Uhr war ich dann ziemlich k.o. und hatte grossen Hunger. Eigenartigerweise erging es meiner Kollegin genau gleich. Na ja essen wir noch so lange wir können.
Donnerstagmorgen, alles unverändert, ausser dass es sich nicht noch weiter ausbreitete. Ich wieder bei den zwei Herren, welche an diesem Morgen fast wieder quitschfidel waren. Und dann fing es an. Zuerst die gute Nachricht, es sind keine Noroviren, mussten wir doch den Pflegeempfänger Stuhlgang entnehmen und den ins Labor einschicken. Abends Spätschicht und mir war kotzübel und so ein eigenartiges gebrumme war im Magen zu spüren.
Jetzt hab ich keinen Hunger mehr, liege seit Freitagmorgen im Bett und fühle mich ausgelaugt.

Kommentare:

Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann hat gesagt…

Norovirus- und Rotavirus-Infektionen werden durch Fäkalien entweder in Lebensmitteln oder im Trinkwasser ausgelöst, bevor sie sekundär übertragen werden können, besonders augenfällig in Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen oder Kindergärten. In unseren Gewässern, auch im Grundwasser, kommen Viren vor. Unsere Wasserwerke können Viren nicht filtern. Kaltes Wasser konserviert ansteckende Viren. Die Norovirus- und Rotavirus-Infektionen folgen jedes Jahr streng dem Verlauf der Kälte im Wasser, im Boden und in den Wasserleitungen. Es ist offensichtlich, dass die winterlichen Norovirus- und Rotavirus-Infektionen von der Kälte abhängen. Unsere Lebensmittel haben das ganze Jahr über in etwa die gleiche Temperatur. Das Trinkwasser nicht. Es hat sein Temperaturminimum im Februar. Also muss das Trinkwasser die Norovirus- und Rotavirus-Infektionen auslösen! Die Ultrafiltration kann Viren aus dem Trinkwasser filtern, ohne Zusatz von Chemikalien. Dabei entstehen zusätzliche Kosten von lediglich 5 bis 7 € pro Person und Jahr, für eine vierköpfige Familie also rund 2 € im Monat. Eine vorsorgende Gesundheitspolitik muss die Infektionsketten durchbrechen. Die wirkungsvolle Trinkwasseraufbereitung würde die Kosten im Gesundheitswesen senken, auch bei anderen durch Trinkwasser übertragenen Infektionen durch z. B. Adenovirus, Campylobacter, E.-coli-Enteritis, EHEC/STEC, Kryptosporidiose, Salmonellose, Yersiniose. Auch die H5N1-Vogelgrippe kann mit dem Trinkwasser übertragen werden. Eine epidemiologische Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar die saisonale Influenza durch das Trinkwasser ausgelöst wird.

Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
soddemann-aachen@t-online.de
http://www.dugi-ev.de/information.html


Auszüge aus der vorliegenden Fachliteratur:

http://www.springerlink.com/content/x6138263qn388085/
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz
Volume 50, Number 3 / März 2007
Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2007, 50: 296–301.
Online publiziert: 2. März 2007
Professor Konrad Botzenhart
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Tübingen, Bundesrepublik Deutschland

Viren im Trinkwasser

Zusammenfassung
Viren im Trinkwasser können Infektionskrankheiten verursachen. Während dieses früher vor allem für die Hepatitis A und der Hepatitis E beobachtet wurde, sind in den letzten Jahren mehrere größere und kleinere Epidemien von Norwalkvirusinfektionen [Anm.: Norovirusinfektionen] beschrieben worden, auch in Europa. Alle trinkwasserrelevanten Viren stammen aus Fäkalien und sind im Abwasser auch nach mehrstufiger konventioneller Klärung regelmäßig noch nachweisbar. Sie sind den zugelassenen Desinfektionsverfahren gut zugänglich, soweit sie nicht in größere Partikel integriert sind. Folglich kommt der Partikelabscheidung bei der Aufbereitung eine besonders große Bedeutung zu. Die Virusfreiheit des abgegebenen Trinkwassers kann mit der erforderlichen Sicherheit durch virologische Untersuchungen nicht nachgewiesen werden. Die Untersuchung von 100-mL-Proben auf E. coli und coliforme Bakterien ist dafür ebenfalls nicht ausreichend. Bei Verwendung von möglicherweise kontaminiertem Rohwasser muss daher die Sicherheit der Verbraucher über eine von Fall zu Fall zu berechnende Leistungsfähigkeit der Aufbereitungsanlage gewährleistet werden. In die Berechnung gehen die Virusbelastung des Rohwassers, die Leistung der physikalisch-chemischen Partikelelimination und die Wirkung der Desinfektion ein. Die wirkungsbestimmenden Faktoren der Desinfektion, namentlich Konzentration und Einwirkungszeit bzw. die UV- Bestrahlungsstärke, müssen anhand des Infektionsrisikos durch Viren festgelegt und eingehalten werden, auch wenn sie aufgrund günstiger E.-coli-Befunde überhöht erscheinen.
Schlüsselwörter: Trinkwasser, Viren, Desinfektion, Partikelelimination


http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/206_m_ua.html
umwelt•medizin•gesellschaft 19 2/2006, 140-145.
Leena Maunula, Ilkka T.Miettinen, Carl-Henrik von Bonsdorff

Von Trinkwasser ausgehende Norovirus-Epidemien

Zusammenfassung
Im Rahmen eines intensivierten Monitoring Programms zu lebensmittelbedingten Epidemien in Finnland wurden vom Trinkwasser ausgehende und durch Viren verursachte Krankheitsausbrüche untersucht. Die diagnostischen Maßnahmen umfassten Stuhluntersuchungen von Patienten mittels Elektronenmikroskopie und reverse Transkriptase-PCR (RT-PCR) auf Noroviren und Astroviren. Sobald ein Test positive Resultate für einen Virustyp ergab, wurde die zugehörige Trinkwasserprobe analysiert. Die Viruskonzentration erfolgte mittels positiv geladener Filter aus 1 L Proben. Während der Beobachtungsperiode 1998-2003 waren bei insgesamt 41 als wasserbedingt beschriebenen Epidemien zu 28 dieser Krankheitsausbrüche Wasserproben für Analysen verfügbar. Die Bewertung der RT-PCR-Ergebnisse der Patientenproben ergab bei 18 der Krankheitsausbrüche Noroviren als Ursache. Bei 10 Epidemien wurden in den zugehörigen Wasserproben ebenfalls Noroviren nachgewiesen. Mit Ausnahme eines Falls war die Amplicon-Sequenz dieser Viren identisch mit der bei Patienten gefundenen Virusart. Das weltweite Vorkommen von wasserbedingten Norovirus-Epidemien erfordert Maßnahmen zur Überwachung des Wassers auf Viren.


http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/206_sodd.html
umwelt•medizin•gesellschaft 19 2/2006, 134-139.
Soddemann W

Mikrobiologische Trinkwasserüberwachung in Deutschland: weder unabhängig noch effizient

Zusammenfassung
Das System der Trinkwasserüberwachung in Deutschland wird als problematisch beurteilt, da Trinkwasseruntersuchungen nahezu ausschließlich von den Wasserversorgungsunternehmen selbst oder in ihrem Auftrag durchgeführt werd en. Deutsche Wasserversorgungsunternehmen sind meist öffentlich-rechtliche kommunale Betriebe, Zweckverbände oder privat-rechtliche Gesellschaften mit kommunaler Beteiligung. Für die gesetzliche Trinkwasserüberwachung sind - ebenfalls auf kommunaler Ebene - die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Dem Bund und den Ländern sind keine Aufgaben zur regelmäßigen Trinkwasserüberwachung vor Ort übertragen. Gechlortes Trinkwasser wird oft erst nach der Chlorung auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung untersucht, so dass positive bakteriologische Befunde selten sein müssen. Negative bakteriologische Befunde sind keine Nachweise der Virenfreiheit. Untersuchungen auf pathogene Viren finden in Deutschland so gut wie nicht statt, obwohl aus einer Vielzahl von Untersuchungen bekannt ist, dass Viren im Trinkwasser enthalten und Auslöser von Epidemien sein können. Norovirus- und Rotaviruserkrankungen sind die von den Gesundheitsämtern dem Robert Koch-Institut Berlin am häufigsten gemeldeten Virusinfektionen in Deutschland. Das Futtermittel Tränkwasser wird, wenn überhaupt, meist nur auf wenige bakteriologische Parameter untersucht, gechlortes Tränkwasser meist nach der Chlorung. Mikrobiologische Belastungen in nicht gechlortem, ggf. auch in gechlortem Tränkwasser können zu einem hohen Antibiotikaeinsatz bei der Nutztiererzeugung und über das erzeugte Fleisch zu Antibiotikaresistenzen beim Menschen führen.
Die Trinkwasserüberwachung ist unabhängigen Behörden und Untersuchungsstellen der Länder zu übertragen. Auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung ist stets vor der Chlorung zu untersuchen. Trinkwasser ist systematisch auch auf Noro- und Rotaviren zu untersuchen. Das Futtermittel Tränkwasser ist analog zu überwachen.


Dies alles ist den Wasserversorgungsunternehmen und den Gesundheitsämtern bekannt, auch der Deutschen Bundesregierung, den Bundesbehörden und der Deutschen Trinkwasserkommission, die eine hohe Affinität zu den Wasserversorgungsunternehmen besitzt.


Wilfried Soddemann
Freier Wissenschaftsjournalist
Ltd. Regierungsbaudirektor i.R.
Bauassessor Dipl.-Ing.
BBU e.V. Mitglied
Bundesverband Buergerinitiativen Umweltschutz
dugi e.V. Mitglied
Deutsche Umwelt-Gesundheits-Initiative
IGUMED e.V. Mitglied
Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin
soddemann-aachen@t-online.de
http://www.dugi-ev.de/information.html
Epidemiologische Analyse:
http://www.dugi-ev.de/TW_INFEKTIONEN_H5N1_20071019.pdf

Wilfried Soddemann befasst sich mit technischem Umweltschutz, Umwelt- und Trinkwasserhygiene sowie der Epidemiologie der Infektionserkrankungen in Deutschland.

Axel hat gesagt…

Bei uns geht das Virus derzeit auch vermehrt rum. Erst kam es aus der Kinerkrippe, dann hatte es ne Freundin und dann zog es bei uns Runden. So sah unsere Silvesterparty nämlich teils aus. Gab keinen der nichts hatte. :D

Gruß
Axel

Menolly hat gesagt…

Das haben wir kurz vor Weihnachten 2006 durch gemacht Cathy. War wirklich sehr Spaßig, wer denn jetzt den Eimer haben, oder aufs Klo darf..... zumal das Kotzen( sorry Erbrechen kann man das nicht mehr nennen)immer ganz plötzlich loß ging und dann in einem Schwall, wobei man sich schnell fragte, wo das denn bitte noch her kommen konnte!
Aber nach drei Tagen ging es wieder Bergauf!
Na ich hoffe es ist bei dir "nur" die Erschöpfung die dich nieder Geschlagen hat!?

Liebe Grüße
Menolly

Susi hat gesagt…

Drück die Daumen das du schnell wieder Fit wirst.

Gruß Susi