Willkommen im Kunderbunt der Retrospektive


Allerlei und durcheinander,

so wie es sein soll oder eben erlebt wird.

21 Dezember 2006

Demenz oder der einzige Wahn

Ja der gestrige Tag hatte es an sich. Bin Abends sogar bei Stargate eingeschlafen.

Der Morgen war ja noch "einfach". Aber ab dem Mittag war es wie in einem Wespenhaus.

Ich "alleine" mit 22 Heimbewohner. Eine andere Teamkollegin konnte (musste) HB duschen und die andere Person musste wohl oder übel Bürotag einlegen. Dieses RAI.. die Krankenkassen wollen es genaustens wissen.

So begann ich mal Kaffee und Weihnachtsgebäck hervor zu krame und legte alles parat, damit ich um ca. 14:15 Uhr das Z'vierei verteilen konnte.
Aber davor sollten noch die anderen HB nach ihrem Mittagsschaf mobilisiert werden. Zwei hatte ich schon, da schrie jemand : Cathy ein Herr ist leider ausgeflogen (Demenzkranker). Na ja ab durch die Mitte und ihm hinterher. Kurz vor der Postautohaltestelle erreicht ich ihn. Eine guite viertel Stunde stand ich bei der Haltestelle und versucht den Herrn um zu stimmen, das er nicht ohne Geld, Jacke, und warmem Schuhwerk einfach davon gehen könne. Ach er meint im Postauto sei es doch genug warm. Ich fror und bat ihn doch jetzt zurück zu kommen, denn seine Frau sei ja auch noch da. Irgendwann wendeten wir uns gegen die heftige Bise (sie war Arschkalt) und so konnte ich ihn umstimmen, zumindest mir zu folgen.

Eine halbe Stunde später war der gute Mann schon wieder auf Wandertour und ich musste wieder alles links liegen lassen und ihn wieder bei der Haltestelle abholen. Warum wusste er genaustens wann die fahren. Das fragt ich ih dann auch. Na klar es hat je einen Fahrplan, tsts. Irgendwann als ich ihm zum ixten Mal erklärte, dass er nicht ohne Kleider einfach weg gehen könne, kam jemand anderes vorbei . Er fragte bei dieser Person nach, wann dann das nächste Postauto fahre. Die erwiderte ihm: Ach wissen sie die Haltestelle wird umgebaut und das Postauto hält hier nicht mehr.
Zwei Minuten später stand eines vor der Haustür und nur mit Müh und Not konnte ich den Bewohner davon abhalten ein zu steigen, indem ich ihm erkläte dieses fahre nicht Richtung Bern (was ja auch stimmte). In der Zwischenzeit kam jemand von unserem Fahrdienst vorbei und auch den fragt der Bewohner, wann jetzt das nächste Postauto fahre. Seine Antwort: Och Heute fährt hier keines mehr.

Ja ich verstehe die antworten der anderen, aber jetzt hatte ich meinerseits das Geschenk. Er glaubte mir auch nicht mehr und wurde langsam wütend. Ich versuchte ihn abzulenken, indem ich begann nach zufragen, was er denn dringendes zu erledigen hätte. Er meint, er müss zu seiner Frau. Also noch mal: Herr ihre Frau ist an der wärme und bei uns im Altenheim. Kommen sie ich zeige es ihnen wo sie ist. So brachte ich ihn schliesslich wieder zurück und er war noch viel unruhiger als vorher. Er wollte seine Jacke und Schuhwerk, wusste nicht mehr wo seine Frau ist.

In der Zwischenzeit war es 15:15 Uhr und ich konnte vieleicht 10 HB ein Kaffe geben und etwas zu essen. Schon wurde ich gedrängt, wann wir den eine kleine Pause machen können. Als erstes fand ich es mal wichtig dem verwirrten HB etwas zu geben, dass ihn ein wenig beruhigte.

15 Min später war der gute aber schon wieder weg. Ich in einem anderen Zimmer um jemandem bettlägrigen zu trinken zu geben. Eine andere Heimbewohnerin schrie durch den Gang: Cathy der Herr ist mit seiner Frau (welche in einem Rollstuhl ist) weg.
Ich hinter her und beim Haupteingang konnte ich ihn noch gerade davon abhalten, seine Frau samt Rollstuhl die Treppe runter zu stossen. Jetzt wurde es dekatent. Der Herr war nicht mehr kooperativ und verstand es in keiner Art und Weise, dass er seine Frau nicht einfach ne Treppe runter stossen kann. Auch begann er mich zu schupsen, die Beruhigungsmedikamente zeigten keinerlei Wirkung. Wieder verbrachte ich satte 20 Min an der "frischen" Luft, bis ich den Herrn wieder so weit hatte, das er mit mir auf die Abteilung kam.

Eigentlich hätte ich noch ne viertel Stunde Pause, müsste noch das Z'vierei fertig verteilen und danach noch drei Leute ins Bett begleiten. Zudem hätte ich um 16:15 Uhr Feierabend. Na ja eine Pause nahm ich mir , wenn auch nur kurz um eine zu Rauchen. Ich begann irgendwann vor 16 Uhr die erste Person ins Bett zu begleiten und wurde kurz darauf schon wieder von den guten Herrn auf trab gehalten. Er ist schon wieder davon gelaufen.

So endete meine Arbeitszeit halt eine Stunde später.

Für demente Leute ist es von Wichtigkeit, das sie ihren Auslauf erhalten. Dies kann aber im Moment bei uns im Altenheim nicht gewährt werden. So muss man sie sedieren oder sie in ein für sie gerechtes Altenheim stecken. Eigentlich traurige Bilanz, nicht ?

Keine Kommentare: